Pauline News 2020/1

Liebe Leserinnen und Leser,

während Sie diesen Artikel lesen, werden einige Inhalte längst überholt sein. Trotzdem wollen und können wir die aktuelle Pandemiesituation nicht einfach ausblenden. Wir haben den Redaktionsplan kurzfristig geändert. Bitte haben Sie Verständnis: Die PaulineNews ist keine Tageszeitung. Dieser Artikel soll Ihnen also nicht den neuesten Stand in der Entwicklung der Pandemie nahebringen. Dazu empfehlen wir die Veröffentlichungen des Robert-Koch-Instituts, seriöse Tageszeitungen und deren Onlineportale und Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Medien sowie unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die tages-aktuellen Informationen der Geschäftsführung via Mail und Intranet.

Wie ist der Stand zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses und mit welchen Aussichten können wir in kurzer Zeit verlässlich rechnen?

Zunächst ist festzuhalten, dass sich die Infektionen auch in Deutschland bis heute eher mit exponentieller als linearer Steigerung ausbreiten. Dies geschieht regional in unterschiedlichem Ausmaß. Es muss damit gerechnet werden, dass es auch in Deutschland eine (bislang nicht abschätzbare) Dunkelziffer nicht erkannter Infektionen gibt. Das bedeutet, dass alle öffentlich angeordneten Maßnahmen der Prävention einer weiteren Ausbreitung nur verzögert wirken können. Umso wichtiger ist die konsequente Umsetzung dieser Maßnahmen.

Die zweite, zumindest für die nächsten Wochen absehbare Gewissheit betrifft die Behandlungsund Impfmöglichkeiten. Es wird vorerst, das heißt in den nächsten Wochen, keine evidenzbasierte Therapie der Grunderkrankung und in den nächsten Monaten voraussichtlich auch keinen Impfstoff geben.

Die Entwicklungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass die schnelle Bereitstellung von Behandlungskapazitäten (besonders im Intensivbereich für symptomatisch fulminante Krankheitsverläufe) im öffentlichen Gesundheitssystem jetzt unbedingte Priorität genießt. Hier sind nicht nur Maximalversorger und Kliniken mit Notaufnahmen gefragt. Durch den Druck auf die Charité, auf Vivantes-Kliniken oder das DHZB zur Bereitstellung von Beatmungskapazität kann der Verlegungsdruck auf das Paulinenkrankenhaus zur Übernahme kardiologischer Patienten sehr schnell und in großem Umfang steigen. Darauf müssen wir eingestellt sein. Wenn Sie diesen Artikel lesen, werden wir vermutlich schon genauer wissen, in welchem Ausmaß unsere Kapazitäten in Anspruch genommen werden. Vorerst planen wir sicherheitshalber mit einer Belegung aller physisch vorhandenen Bettplätze im Haus.

Wie gehen die Verantwortlichen im Paulinenkrankenhaus mit der Situation um? Es ist nicht zu vermeiden, dass momentan viele Entscheidungen nur auf kurze Sicht und unter Vorbehalt möglicher Korrekturen nach erneuter Risikobewertung getroffen werden können. Damit diese Entscheidungen valide sind, wurde ein Pandemiestab gebildet, dem neben der klinischen und kaufmännischen Geschäftsführung der hygienebeauftragte Oberarzt, die Hygienefachkraft, der Pflegedienstleiter und der Leiter des Einkaufs angehören. Der Stab trifft sich mindestens wöchentlich, bei Lageveränderung auch zwischendurch. Alle Beschlüsse werden protokolliert. Die Intranetrubrik der Geschäftsführungsinformation wird derzeit vorrangig für Mitteilungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bezüglich aller Fragen um das Coronavirus genutzt. Besonders wichtige Infos werden ggf. auch als Rundschreiben über den Mailverteiler im Haus abgesetzt.

Dem Hygienefachpfleger unserer Klinik kommt in diesen Tagen eine besondere Bedeutung zu. Mit Christian Schweizer haben wir in der Pauline einen Fachpfleger mit exzellenten Kenntnissen sowie hervorragenden Verbindungen zu den beratenden Hygienikern, zum Gesundheitsamt und zu den Laboren. Seine Vernetzung unter Fachkollegen kommt uns jetzt zugute. Viele Pflegekräfte kennen ihn noch von seiner Tätigkeit als Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Intensivstation. Sein Rat wird geschätzt, vor allem aufgrund seiner praxisorientierten Herangehensweise. Er berät das Pandemieteam, formuliert Mitarbeiterinformationen im Intranet, berät die Mitarbeiter vor Ort auf den Stationen und ist involviert bei Beschaffungsentscheidungen und bei der zügigen Festlegung von Regularien zur Verhinderung bzw. Eindämmung eines Ausbruchsgeschehens. Dazu werden die Richtlinien des RKI und die Handlungsanweisungen der Charité als Maßstab für betriebsinterne Vorgaben genutzt. Christian Schweizer sichtet diese Unterlagen täglich und sorgt ggf. für eine schnelle und verständliche Information der Kolleginnen und Kollegen im Paulinenkrankenhaus.

Eine einschneidende Maßnahme war und ist zweifellos die bis zum Ende der Osterferien verhängte Urlaubssperre. Die Geschäftsführung ist sich bewusst, dass dies ein gravierender Eingriff ist in ein zwischen den Betriebsparteien vereinbartes Verfahren zur Planung und Gewährung des tariflichen Erholungsurlaubs. Das hat es in diesem Ausmaß noch nie gegeben und ist nur durch die außerordentlichen staatlichen Anordnungen zur Gewährleistung von Vorkehrungen in jedem Krankenhausbetrieb zu rechtfertigen. Einige Mitarbeiter fragen natürlich, ob die durch die Urlaubssperre anfänglich überbesetzten Schichten wirklich nötig sind. Das Problem ist: Wir wissen es nicht. Wir müssen aber für den Fall gerüstet sein, dass es im Paulinenkrankenhaus innerhalb kurzer Zeit mehr Patienten gibt als jemals zuvor. Alles andere wäre angesichts der Warnungen von Wissenschaftlern und Behörden derzeit verantwortungslos. Die Geschäftsführung bittet alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür um Verständnis.

Zum Schluss lassen Sie mich auf den Anfang des Artikels zurückkommen. Wir, die redaktionell Verantwortlichen dieser Ausgabe, wissen nicht, in welche Richtung sich die Lage in den nächsten beiden Wochen entwickelt, die zwischen dem Verfassen dieses Artikels und der Veröffentlichung liegen. Wenn Sie dies lesen und dabei feststellen, dass all die Vorkehrungen vielleicht etwas „übertrieben“ waren, dass die Darstellungen von heute etwas zu dramatisch waren, dann wäre die Epidemie in ihrem weiteren Fortschreiten zumindest verlangsamt. Und dann, aber nur dann, hätten wir alles richtig gemacht. Darauf hoffen wir sehr.

Wir, die Geschäftsführung des Paulinenkrankenhauses und der Paulinen Service Gesellschaft, wünschen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, allen Kooperations- und Geschäftspartnern und Ihnen allen, liebe Leserinnen und Leser, dass Sie unbedingt gesund bleiben!

Matthias Düker

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